VEGETATIONSRUHE IM MAGAZIN_2016
Analoge Colorprints
4-tlg.
20 x 20 cm / 30 x 20 cm
Die abgebildeten skulpturalen Konstruktionen sind Bestandteile eines Unterbaus für Magazine, einer modernen Form des Bienenstocks, die für die Freiaufstellung in der Honigbienenhaltung verwendet werden. In der Vegetationsruhe, zwischen November und April, werden die Magazine abgebaut. Die zurückgelassenen, zweckdienlichen Unterkonstruktionen aus Holzlatten und Wellpappe treten aus der kargen Graslandschaft hervor und sind auf den Fotografien, ohne ihren Kontext des umgebenden Raums und der Imker-Utensilien, neu zu interpretieren (mehr Text ↴ siehe unten).
Ausstellungsansicht
Die abgebildeten skulpturalen Konstruktionen sind Bestandteile eines Unterbaus für Magazine, einer modernen Form des Bienenstocks, die für die Freiaufstellung in der Honigbienenhaltung verwendet werden. In der Vegetationsruhe, zwischen November und April, werden die Magazine abgebaut. Die zurückgelassenen, zweckdienlichen Unterkonstruktionen aus Holzlatten und Wellpappe treten aus der kargen Graslandschaft hervor und sind auf den Fotografien, ohne ihren Kontext des umgebenden Raums und der Imker-Utensilien, neu zu interpretieren.
Die eigens im Farblabor entwickelten analogen Farbaufnahmen entstanden im Februar 2016 in einem klimatischen Gebiet der klassischen vier Jahreszeiten mit einem rhythmisch wiederholenden Zyklus und einem Wechsel aus Vegetationsruhe und -zeit. Ob man die meteorologische Angabe oder die kalendarische nimmt, ist in diesen Breitengraden im Februar Winter. Die fast monochrome Farbgebung der Fotografien ist winteruntypisch und irritierend. Das warme Gelborange des Bildraums, das ebenfalls den Bildhintergrund einnimmt, suggeriert dem Betrachter wärmere Tage, Sommertage. Die Fotografien versinnbildlichen die Aushebelung der Vegetationsruhe aufgrund der immer milder werdenden Temperaturen der letzten Jahre, die weitreichende Auswirkungen für die Tier- und Pflanzenwelt bedeuten. Durch die Bestäubung der Wild- und Nutzpflanzen ist die Bedeutung der Honigbiene in der Natur unbestritten und der dabei entstehende gesellschaftliche Nutzen übersteigt bei Weitem den Wert des Honigertrags.
Die dezentralisierte Platzierung der Fotos auf dem Bildträger, ihre scheinbar rotierende Bewegung und der asymmetrische Kantenverlauf stehen für den Kreislauf und die Bewegung, die zum einen die Jahreszeiten und den Vegetationszyklus veranschaulichen und zum anderen das Missverhältnis in der Gewichtung von Umwelt und Mensch thematisiert. Während der Begriff „Magazin“ allgemein ein Lager, Archiv oder Depot bezeichnet, charakterisiert die Übersetzung des Magazins als eine „Schatzkammer“ den in den Fotografien fehlenden Bienenstock.
Text + Fotos: Kai Gieseler