LABORBILDER_2017
anloge Fotografien
5-tlg., je 19,5 x 29,5 cm
Wie entwickelt man Fotos, die es nicht gibt?
Eine geplatzte künstlerische Intervention (non-native, 2018) und eine unbenutzte Schwarz-Weiß-Einwegkamera veranlassen mich, in der Dunkelkammer in einem Vorgang Film und Fotopapier zu belichten. Im Entwickler werden Bilder sichtbar: diffuser Nebel mit schemenhaften Körpern, Linien, Lichtpunkte und Dunkelheit. Die analogen schwarz-weiß Fotografien werden zu Stellvertretern der Intervention. Das was wir nicht beobachten oder erleben können, ergänzen wir durch unser Wissen und unsere Vorstellungen, die ich in den Laborbildern mit Hilfe von Medien nachgezeichnet habe (mehr Text ↴ siehe unten).
Ausstellungsansicht
Wie entwickelt man Fotos, die es nicht gibt?
Eine geplatzte gemeinsame künstlerische Intervention (non-native, 2018) mit der befreundeten Künstlerkollegin Andrea Freiberg auf dem Hochplateau des Truppenübungsplatzes in Siegen stellte mich vor diese Frage und Aufgabe. Wir planen, auf einem je eigenen Feldspaziergang mit eingeladenen Freunden und Bekannten in einer individuellen Annäherung Aspekte der spezifischen Topografie der Landschaft, Nähe, Entfernung, Wiederholung, Heimat, Erinnerung und Gruppendynamik (meine Gruppe wäre durch ein Stoffband (20 x 2 m) miteinander verbunden gewesen) zu erkunden und mit Schwarz-Weiß-Einwegkamera zu dokumentieren. Aus gesundheitlichen Gründen sage ich meine vorbereitete Wanderung ab, was bedeutet, dass ich keine Fotodokumentation für die geplante Folgeausstellung machen und zeigen kann.
Im Dunkeln des Labors öffne ich die unbenutzte Einwegkamera und hole den unbelichteten Film heraus. Ohne ihn wie üblich zunächst zu entwickeln, lege ihn direkt wie einen Negativstreifen in die Bildbühne des Vergrößerungsgerätes. Der Vergrößerer soll nun in einem Vorgang den Film und das lichtempfindliche Fotopapier belichten.
Im Entwickler werden Bilder sichtbar: diffuser Nebel mit schemenhaften Körpern, Linien, Lichtpunkte und Dunkelheit. Die analogen schwarz-weiß Fotografien werden zu Stellvertretern einer Wanderung, die ich in der Vorstellung dutzende Male gegangen bin.
Das was wir nicht beobachten oder erleben können, ergänzen wir durch unser Wissen und unsere Vorstellungen, die ich in den Laborbildern mit Hilfe von Medien nachgezeichnet habe. Meine Bilder sind auf der einen Seite sichtbare Oberflächen aus Formen, Farben, Materialien oder Massen. Auf der anderen Seite sind sie transparente Platzhalter. Sie sind Verweise auf etwas, was nicht anwesend ist. Aber jede Aufzeichnung, jede Erinnerung, jede Spur ist nur oberflächlicher Platzhalter, eine Reliquie, ein Vertreter für etwas, was nicht anwesend ist, weil es längst verschwunden oder vergangen ist und nur in dem Augenblick existiert, in dem sie ausgeführt wird.
Text + Foto: Kai Gieseler