FARBBILDER_2016-2021
Chromogene Farbabzüge,
unterschiedliche Größen
Die analogen Fotografien Farbbilder stellen eine gescheiterte Rekonstruktion dar und dokumentieren die Unmöglichkeit Abwesendes in Anwesenheit zu überführen: Fotografien in der Dunkelkammer ohne Negativ zu entwickeln. Das Wesentliche fehlt (mehr Text ↴ siehe unten).
Farbbilder-Reihe 1_2016/2021
10-tlg., je 61 x 44 cm
Ausstellungsansicht Farbbilder-Reihe 1, Brauhaus Siegen, 2016
Farbbilder-Reihe 2_2016/2021
4-tlg., je 61 x 44 cm
einzelne Farbbilder_2016/2021
Farbbilder No. 2,
2016/2021,
61 x 42,5 cm
Farbbilder No. 3,
2016/2021,
48 x 61 cm
Farbbild No. 8,
2016/2021,
59 x 106,5 cm
Farbbild No. 9,
2016/2021,
106,5 x 59 cm
Farbbild No.10/1 (2-teilig), 2016/2021,
59 x 106,5 cm
Farbbild No.10/2 (2-teilig), 2016/2021,
59 x 106,5 cm
Farbbilder No. 13/1
(2-teilig)
2016/2021,
33 x 60 cm
Farbbilder No. 13/2
(2-teilig)
2016/2021,
27 x 60,5 cm
Farbbilder No.1_2016/2021
Chromogene/analoge Farbfotografien, 12-teilig, je 50 x 70 cm, Gesamt: 200 x 210 cm,
auf Falconboard (Wellpappe) kaschiert
Ausstellungsansichten: Wenn man vermutet, dass mehrere Faktoren einen Prozess beeinflussen, 2021/22, IHK-Glaerie,
Die analogen Fotografien Farbbilder stellen eine gescheiterte Rekonstruktion dar und dokumentieren die Unmöglichkeit Abwesendes in Anwesenheit zu überführen: Fotografien in der Dunkelkammer ohne Negativ zu entwickeln. Das Wesentliche fehlt.
Lediglich Zahlen auf der Rückseite von Fotoschnipsel aus einem Nachlass-Archiv eines verstorbenen Künstlers bilden die Grundlage des Such-Prozesses. Im Fotolabor rekonstruiere ich, dass die Zahlen etwas mit den Farb- und Zeitwerten des fotografischen Entwicklungsprozesses zu tun haben müssen. Es ist mir unmöglich die historische Situation zu rekonstruieren und mein Vorgehen kann nur eine vage Annäherung an den eigentlichen fotografischen Prozess des Künstlers sein.
Genau wie sich mir diese entscheidenden Parameter entziehen, entzieht sich das Ergebnis dieser Abbildlichkeit. Spuren von Licht, feine Farbverläufe und das glänzende Material des Fotopapiers stehen im Mittelpunkt. Fotografie besinnt sich hier auf sich selbst. Alles was in der Dunkelkammer passiert ist ein Zusammenspiel aus Zufall und Kontrolle; keine abstrakte Kunst, sondern konkrete, weil sie sich selbst abbildet. Die analogen, chromogenen Farbabzüge bekommen gar menschliche Züge: die beim direkten chemischen Vorgang entstandenen sichtbaren Knicke, Risse, Spuren und ungleichmäßige Kanten. Die Fotografien sind verletzlich und offenbaren Alterungsprozesse.
Die immer gleichen schwarzbraunen rechteckigen Felder in der Bildmitte der Farbbilder-Serie lassen auf ein System, einen Prozess schließen, doch gleicht kein Bild dem anderen. Jedes Bild ist ein Unikat und nicht wiederholbar. Singulär, einzigartig, authentisch, kein Massenprodukt, das unendlich auszudrucken ist. Das schwarze Feld öffnet den Raum und fordert unsere Wahrnehmung heraus. Bilder, die dem Betrachter alles Erklärbare entziehen, sind ein Medium, um etwas sichtbar zu machen, das sich nicht abbilden lässt. Da sie nichts Konkretes abbilden, ist der Betrachter auf die Bilder seiner Erinnerung und Phantasie zurückgeworfen, dem eigenen Bildarchiv und Bilderzeugung. Unser Gehirn erkennt sie als Fotografien und alles was wir fotografisch erkennen, verkoppeln und vergleichen wir mit der Wirklichkeit. So macht der Betrachter das Bild eigentlich erst im Kopf fertig.
In der Reduziertheit dieser Bilder wird der Betrachter mit sich selbst und seiner Wahrnehmung konfrontiert: ein Wechselspiel optischer Erfahrung aus Kontrast, Licht, Bewegung, leuchtenden Farben aus der Dunkelheit, räumlichen Sensationen von davor, dahinter und dazwischen, die den Dialog ermöglichen und letztlich den Inhalt ausmachen.
Text + Fotos: Kai Gieseler