ENTITY_2015
(Schreiben, Fahren, Tauchen)
Videoinstallation, HD
Länge: Loop
Die Videoinstallation Entity ist ein Objekt, dass ein System vortäuscht, das wiederkehrende Informationen standardisiert, zusammenfasst bzw. einfache Dinge wie tauchen, fahren und schreiben in einer offenbar schlichten Darstellung gleichzeitig anspricht. Drei Videos präsentiert auf vier analogen Fernseher, einem Beamer und einem tragbarem DVD-Player bilden zusammen einen Gedankenraum. Ohne erkennbare Funktion werden Schriftzeichen, Linien und Transportbehälter oder nichts in Endlosschleifen gezeigt. Alles ist in Bewegung: auf Schienen, Wegen und in Linien, die Verbindungen, Zyklen und Ordnungen suggerieren (mehr Text ↴ siehe unten).
Ausstellungsansicht, Brauhaus Siegen, 2015
Die Videoinstallation Entity ist ein Objekt, dass ein System vortäuscht, das wiederkehrende Informationen standardisiert, zusammenfasst bzw. einfache Dinge wie tauchen, fahren und schreiben in einer offenbar schlichten Darstellung gleichzeitig anspricht. Drei Videos präsentiert auf vier analogen Fernseher, einem Beamer und einem tragbarem DVD-Player bilden zusammen einen Gedankenraum. Ohne erkennbare Funktion werden Schriftzeichen, Linien und Transportbehälter oder nichts in Endlosschleifen gezeigt. Alles ist in Bewegung: auf Schienen, Wegen und in Linien, die Verbindungen, Zyklen und Ordnungen suggerieren. Tauchen: Mit der Kamera filme ich Cyanotypien von Grundrissen so ab, dass ich das Gefühl habe auf den Grundmauern der Gebäude zu laufen, was in der Realität unmöglich ist. Die Linien verschwimmen und ich tauche ins Blau ein. Fahren: Blaue Transportbehälter befördern Bücher in der neuen Pariser Bibliothèque nationale de France (Site Francois Mitterand). Man sieht etwas, was man sonst nicht sieht, weil dieser Bereich nicht öffentlich zugänglich ist – einen verborgenen Wissenstransport.Schreiben: Das Schreiben ohne erkennbaren Inhalt wird zur Geste und zum Stellvertreter. Es ist ein Prozess und eine alte Kulturtechnik zur Weitergabe und Schaffung neuen Wissens – der Schreib-Lese-Prozess wird zur Erkenntnisfindung.
Die alten aufgetürmten Röhrenfernseher sind plastisch und virtuell zugleich. Sie bilden zusammen mit der Beamer-Projektion erst den erfahrbaren Raum. Gleichzeitig entsteht eine eigenständige körperliche Skulptur die von der Metapher Mensch und Maschine erzählt. In einem gleichmäßigen Rhythmus ist eine Art Gong zu hören, der alle Videos miteinander verbindet. Den Klang, den alle Zellen hören, wird die Gegenwart betont (Zen) und bewusst wahrgenommen. In einem endlosen Verhältnis zwischen Wahrnehmung und Vorstellung wandert der Blick von innen nach außen und umgekehrt, wobei intuitiv der Betrachter-Blick wechselt.
Es geht um einen problematische Anmaßung unserer Vorstellung, alles bis in Letzte erkennen, beschreiben und bezeichnen zu können und zugleich um die potentielle Erschließbarkeit der Welt der Erscheinungen für unseren Verstand. Es ist eine Grenze der Erfahrung, welche sich kontinuierlich entwickelt, sich nach außen schiebt und manchmal vielleicht auch zurückfällt. Die Dinge sind da und doch kann das Wesen für jeden einzelnen ein anderes, konkret, abstrakt oder wie in einem Vexierbild nicht zu erkennen sein. Franz Kafka beschreibt es in seinem Tagebuch im Jahr 1911 so: „...das Versteckte in einem Vexierbild sei ´deutlich und unsichtbar´: deutlich für den, der gefunden hat, wonach zu schauen er aufgefordert war, aber unsichtbar für den, der gar nicht weiß, dass es etwas zu suchen gilt“ (Franz Kafka zitiert in Kurzer Aufenthalt: Streifzüge durch literarische Orte, S. 271, Ute Harbusch, Gregor Wittkop, 2007, Wallenstein-Verlag). Die Grenzen von Realem und Irrealem, Sein und Schein, Geistlichem und Sinnlichen werden ausgelotet, in Frage gestellt und Verborgenes sichtbar gemacht.
Text + Fotos: Kai Gieseler