BAUMBUDEN_2013

Fotoinstallation:
11 Injektprints (je 10 x 15 cm), MDF-Platte, Polypropylen-Röhre, Gesamtlänge: 15 x 200 cm


Die Fotoserie zeigt verlassene Baumbuden im Winter (mehr Text ↴  siehe unten).






Ausstellungsansicht: Städtische Galerie Haus Seel, Siegen, Flache Tiefen, Universität Siegen, 2013


Baumbuden haben eine ganz eigene Faszination. Ihre Lage macht sie besonders. Entrückt, in den Baumkronen, im dichten Wald oder Berghängen, nur schwer erreichbar und damit symbolhaft stehend für festungsartige Abgrenzung, Rückzug und Abgeschiedenheit. Baumhäuser, mit meist intuitiver Statik, sind nicht nur bei Kindern und Jugendlichen seit Generationen als Rückzugsort und spielerischer Mittelpunkt beliebt. In anderen Weltgegenden spielten Baumhäuser eine Rolle als permanente Behausungen, in denen man sich, der Gefahr von tribalen Konflikten oder wilden Tieren permanent ausgesetzt, sicher fühlte und den herannahenden Gegner schon von Weitem erblicken und Gegenmaßnahmen ergreifen konnte. Die Bauweise von Baumhäusern ist höchst einfach und effizient und nutzt natürliche Gegebenheiten optimal aus. Der französische Archäologe, Paläontologe und Anthropologe Leroi-Gourhan meint, dass die Behausung einer der auffallendsten und zugleich persönlichsten Kulturaspekte sei, und dass sie wie die Kleidung eng mit den ethnischen Gruppen verbunden scheine. (LEROI-GOURHAN 1945, zit. nach BAER 1967, 4). Aus ethnologischer Sicht kann grundsätzlich festgestellt und zitiert werden: „Wir kennen keine menschliche Gruppe, die dauernd ohne jegliche Behausung lebt“ (BAER 1967, 4). Menschen sind von Natur aus Natur. Und Natur ist einiges. Natur ist gut und einzigartig und ihren eigenen Interessen verpflichtet, dem Überleben. Alles weitere muss kulturell erlernt werden. Kooperieren zum Beispiel oder Solidarität oder das Prinzip der Gegenseitigkeit:  wer ein Baumhaus betritt, ist draußen und zugleich drinnen. Die Fotoserie zeigt verlassene Baumbuden im Winter. 



Text +. Fotos: Kai Gieseler